Zwei große Schritte bis zum Blick in die Zukunft

Mahmoud: »Diese Wohnung bedeutet mir viel.«Heute ziehe ich in meine eigene Wohnung. Endlich. Lange habe ich darauf gewartet. Den Schlüssel zu meinen eigenen vier Wänden in den Händen zu halten, ist ein gutes Gefühl. Der Schritt durch die Tür ist mein zweiter großer Schritt, um mir meine neue Zukunft in Deutschland aufzubauen.

Den ersten tat ich am 9. März, einem sehr glücklichen Tag für mich.

Nach eineinhalb Jahren in Deutschland habe ich an diesem Tag meine Aufenthaltserlaubnis erhalten. Das macht vieles leichter, weil ich seitdem weiß, dass ich die nächsten drei Jahre in Deutschland leben werde. Vor allem aber konnte ich mir mit dem Papier in der Hand eine Wohnung suchen.

Bis heute habe ich in Bottrop gelebt, in einem Heim, dass ich so schnell wie möglich verlassen wollte. Das Leben dort ist kein richtiges, es ist eher ein Zustand.

Für mich war das Haus wie ein Käfig: Dort leben viele Menschen aus ganz verschiedenen Ländern – zu viele Menschen für so wenig Platz.

Ich teilte mein Zimmer mit drei anderen Männern, alle von unterschiedlicher Nationalität. Das ist auf Dauer noch schwieriger, als man es sich vorstellen mag: Immer wieder verstanden wir uns falsch und trugen kleinere Streitereien aus. Außerdem hatten wir keine Waschmaschine, kein Internet und nicht einmal ein richtiges Bad. Das alles erschwerte mir den Alltag sehr. Jeden Tag verbrachte ich viel Zeit damit aufzuräumen und zu putzen, um mich wenigstens halbwegs wohl zu fühlen.

Die Aufenthaltserlaubnis ist für mich ein Berechtigungsschein. Sie erlaubt mir, diesen Käfig zu verlassen. Deswegen ist mir der 9. März wichtig, es ist der Tag eines Anfangs.

Ich fing gleich an, nach Wohnungen zu suchen.

Ich suchte in Bochum, weil hier viele meiner Freunde wohnen und hier grubengold und das Theater sind. Hier wollte ich leben.

Mahmoud: »Willkommen.«

Viele tolle Menschen halfen mir bei der Suche nach einer Wohnung; besonders Lara und Kai, die bereits Freunden von mir geholfen hatten. Sie kämpten sich mit mir durch den Anzeigenmarkt und begleiteten mich zu Besichtigungsterminen. Gemeinsam schauten wir uns unzählige Wohnungen an.

Ich bekam nur eine einzige Zusage – aber eine Wohnung reicht ja auch. Meine ist weder gut noch schlecht, doch sie bedeutet mir viel. Noch ist sie kaum eingerichtet, aber das macht nichts.

Wichtig ist, dass ich nun ein Zuhause habe. Ab heute kann ich mich vor das Fenster meiner eigenen Wohnung stellen und in meine Zukunft blicken.

Dieser 1. Mai 2016 ist ein weiterer sehr glücklicher Tag für mich.

 

von Mahmoud DaaibsMahmoud Daaibs

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