Weil wir nicht dürfen – eine Bitte: Geht doch mal wieder Blut spenden

Manchmal merken wir, dass man so schnell nicht ankommt in dem Land, in das man geflüchtet ist. Die Sprache lernen wir noch relativ zügig, jedenfalls geben wir uns Mühe. Und mit den Behörden und unseren Aufenthaltstiteln ist mittlerweile alles geklärt. Aber dann wollten wir gute Bürger sein, uns einbringen, etwas für andere tun, weil es wichtig ist. In diesem Fall sogar: überlebenswichtig.

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Eine Blutspende. [Foto: Wikipedia-Nutzer ANKAWÜ, modifiziert, CC BY-SA 3.0]
Wir wollten Blut spenden; aber wo ein Wille ist, ist eben doch nicht immer ein Weg. Wir sind Mohammad und Tamim aus dem grubengold-Ensemble.

Wir gingen also zum Deutschen Roten Kreuz in Bochum ‚An der Holtbrügge‘. Ein deutscher Freund begleitete uns, um zu übersetzen, wenn wir es brauchten. Auch er wollte sein Blut spenden. Wir füllten die Formulare aus, unterschrieben sie, ließen uns Blut abnehmen, das analysiert wurde und dann bat man uns in ein Büro.

Dort erklärte uns ein Arzt: Das Deutsche Rote Kreuz wolle unser Blut nicht annehmen. Wir glaubten es nicht. Es ist kein gutes Gefühl, wenn man kommt, um zu helfen und zurückgewiesen wird.

Blut spenden ist wichtig. Für schwer Verletzte ist gespendetes Blut oft genug der Lebensretter. In Deutschland werden jeden Tag 15000 Blutspenden benötigt. Wir wollten unsere beisteuern, weil Blutspenden humanitäre Hilfe ist, ganz direkt. Wir wären glücklich, mit unserem Blut helfen zu können.

Doch dürfen wir nicht. Oder: noch nicht. Aber erst in vier Jahren.

Das Paul-Ehrlich-Institut in Langen. [Foto: Stadt Langen, modifiziert, CC BY-SA 4.0]
Das Paul-Ehrlich-Institut in Langen.
[Foto: Stadt Langen, modifiziert, CC BY-SA 4.0]
Es gibt in Deutschland ein Institut, das Paul-Ehrlich-Institut – das Bundes­institut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel in Langen, südlich von Frankfurt. Es ist die Aufsichtsbehörde, die alle Blutspendeeinrichtungen in Deutschland überwacht und die Richtlinien vorgibt:

Eine dieser Regeln besagt, dass auf unserem Ausweis nicht stehen darf: »Personalien laut eigenen Angaben.« Diesen Vermerk tragen viele Geflüchtete in ihrem Ausweis. Wer hätte auch sonst die Angaben machen sollen, wenn sie Deutschland ohne Papiere erreichen und sich anmelden? Weil sie sich mit diesem Vermerk aber amtlich nicht eindeutig ausweisen können, werden sie nicht zur Blutspende zugelassen. Eine andere Regel besagt, dass wir erst einen Integrationskurs gemacht haben müssen und nachgewiesen, dass wir Deutsch und damit die Formulare und Belehrungen verstehen.

Wir scheiterten aber wie alle erst in den letzten Jahren geflüchteten Syrer, Iraker, Afghanen oder Afrikaner schon an einer anderen Hürde: In unserer Heimat gibt es ein Malaria-Risiko. Das ist der Grund, weshalb wir erst vier Jahre in Deutschland gelebt haben müssen, um Blut spenden zu dürfen. Vier Jahre, in denen wir nicht einmal Fieber haben dürfen. Das ist eine lange Zeit.

Was das Blut spenden betrifft, werden wir noch lange nicht in Deutschland angekommen sein. Ganz ehrlich: Das fühlt sich nicht gut an.

 

Aber: Wir haben eine Idee.

Weil wir unser Blut nicht spenden dürfen, möchten wir Euch, da Ihr nun unsere Geschichte bis zum Ende gelesen habt, bitten: Geht für uns Blutspenden. Am besten nehmt Ihr noch jemanden mit, dann ist es nicht so langweilig. In Bochum könnt Ihr das fast jeden Tag tun. Die Termine und die Orte findet Ihr auf der Internetseite des

Deutschen Roten Kreuzes – Blutspendedienst West.

 

von Muhammad TamimMuhammad Tamim
und Mohammad Zaghmout

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