Frau Kuczinna, erzählen Sie von grubengold und Don Quijote!

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Michaela Kuczinna (grubengold-Leitung)

1547 ist Miguel de Cervantes Saavedra der Autor von Don Quijote geboren.

Vor etwa einem Jahr 2015 war die Geburtsstunde von grubengold, einem Theaterprojekt für geflüchtete Menschen hier am PRINZREGENTTHEATER. Dazwischen liegen schlappe 468 Jahre.

Jetzt also WIR! Wie es im Spielzeitmotto am PRINZREGENTTHEATER heißt. grubengold 2.0. Das grubengold – Darstellerteam geht ins zweite Jahr.

WIR? Ich neu dazu. 11 + eine. Teil der Gruppe. ICH möchte dazugehören, Teil ihrer Gemeinschaft werden. Verantwortung übernehmen, das Projekt weiterführen. Leitung und Regie steht auf meinem Vertrag, ob sie mich annehmen?

578 Seiten für den 1. Teil und 629 Seiten für den 2. Teil liegen in der Neuübersetzung von Susanne Linke in meiner Hand. Plus Anmerkungen. Gebündelt in 136 Kapiteln. Das klingt zunächst nach Trockenbrot.

Wortreich und wunderbar absurd sind die Gespräche zwischen Don Quijote dem unbeirrbaren und Sancho Pansa. Dialogorientiert, transkulturell sind die Arbeitsbegriffe, die in meinem Kopf rumschwirren. 6 Sprachen und 4 Religionen sitzen gemeinsam auf der Probe. Ich halte mich noch an der Mengenlehre fest. Alle sind aufgeregt, das wären 100%, da fühle ich mich zugehörig. Alle haben Lust zu spielen: nochmal 100%.

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Selfie-Pause

Mehrsprachig (mit Händen und Füßen) und wunderbar absurd sind die Gespräche zwischen den Angehörigen des Grubengold-Ensembles und mir. Augenkontakt spielt eine große Rolle.

Don Quijote wurde 2002 vom Osloer Nobelinstitut von 100 bekannten Schriftstellern zum „besten Buch der Welt“ gewählt. Bestes Buch der Welt, was soll das sein? Ich merke, Zahlen und Vergleiche sind eigentlich gar nicht so mein Ding. Mich interessieren die Menschen dahinter. Wer gehörte zur Gruppe dieser Schriftsteller? Könnte ich da bitte mal einen Blick auf die Teilnehmer*innen – Liste werfen? Fest steht eins, dieser „weltfremde Ritter“ ist von internationaler Bekanntheit. Ein billiger Druck der Zeichnung von Picasso hängt in meiner Wohnung. Grund genug nicht zu zögern, als Romy Schmidt mich fragt, ob ich die Aufgabe übernehmen möchte. Daher jetzt also: grubengold 2.0 oder Cervantes – Don Quijote von der Mancha. Aufregung 100%.

Was an Don Quijote reizt ist die Frage, was ist in unserer Umwelt Wirklichkeit und was Traum? Der ewige Konflikt zwischen Ideal und Realität. You know?! Die Frage der Perspektive.

Don Quijote als Metapher, darauf können wir uns einigen. Was die Geschichte für ein transkulturelles Projekt so spannend und ergiebig macht ist auch, dass Cervantes selbst behauptete, den zweiten Teil Geschichte aus der aus der Schrift eines von ihm erfundenen arabischen Historikers, dem Cide Hamete Benengeli, übernommen zu haben. Von Beginn an stellt die Lektüre des Werkes auch die Frage nach dem Verhältnis des Autors zum Islam und zur arabischen Welt. Wie bitte? Da wären wir wieder. Gefühlt brauchen wir mindestens 1 Übersetzerin.

Was an grubengold reizt sind die unendlich vielen Impulse und Perspektiven und das Wissen, das die Einzelnen aus ihrem Leben vor der Flucht mitbringen. Einige sind schon als Flüchtling geboren, andere in der Gruppe nur ideell geflüchtet. Ich könnte die Nationalitäten zählen, in wie vielen Ländern die Einzelnen waren, oder was ihre Flucht sie gekostet hat, aber was mich reizt sind die Menschen. Ich weltfremder Idealist.

Einige Proben später, es ist Sonntag, sitzen wir in der Zukunftsakademie, unserem Probenraum, an einer langen Tafel. Erschöpft, 4 Stunden Probe liegen hinter uns, 2 noch vor uns. 75% Körperarbeit, 25% Text. Vor uns stehen Salat, duftender Reis, und gefüllte Auberginenröllchen. 2 von UNS kochen immer. Das tut uns gut. Da ist es, das uns.  2 Übersetzer sitzen mit am Tisch, 1 + 1. Youssef Hassan, der in Syrien geboren ist, will dramaturgisch mitarbeiten, Michaela Kleinhaus, die in Deutschland geboren ist überlegt mitzuspielen. Sie gehören dazu. Alle wollen jetzt erst einmal essen. Glücklich staunend stelle ich fest ich bin angekommen. Wir beißen uns da durch. WIR! werden Don Quijote auf die Bühne bringen.

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Liebe geht durch den Magen (Zukunftsakademie NRW)
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