Damaskus in Bochum

Michaela Kleinhaus sorgt dafür, dass sich unsere Ensemble-Mitglieder verstehen und nicht an einander vorbei sprechen. Michaela ist studierte Arabistin und übersetzt für uns. Dass so viele Syrer nach Bochum kamen – darauf hat sie einen ganz eigenen Blick. 

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Aus dem Viertel Suq Sarouja nebenan/ Der Blick aus meiner Wohnung in Damaskus

Fragte ich früher meine KursteilnehmerInnen, warum sie Arabisch lernen, erzählten viele, dass sie gerne in die arabische Welt reisen wollten, dass sie arabische Musik liebten, die arabische Schrift mochten oder über die arabische Küche zur Sprache gekommen waren. Mit Beginn des arabischen Frühlings nahm dann die Zahl der JournalistInnen zu, die einen sprachlichen Zugang zur arabischen Welt suchten.

In den letzten  zwei Jahren kommen nun Menschen, die im  aktuellen oder zukünftigen persönlichen oder beruflichen Umfeld  erste sprachliche Brücken schlagen wollen oder vielleicht auch einfach nachvollziehen wollen, wie es ist, wenn man – wenn auch in diesem Fall nur sprachlich – ganz neu anfangen muss.

Denn seit 2015 ist das, was vorher sehr weit schien, näher gekommen. Unterwegs in der Stadt hört man Arabisch, bei McDamascus kann man Shawarma essen, überkommt mich die Lust auf süße Kunafa, muss ich nur zum Rathaus pilgern. Das türkische Geschäft um die Ecke, in dem neuerdings ein junger Kurde aus Syrien arbeitet, führt auf einmal nahöstliche Produkte; die Verkäufer sagen jetzt ma fih, al-yom la oder bukra und können auf Arabisch zählen.

„Die Furcht mancher Menschen vor dieser  „Welle“ hat viel mit Unbekanntem, Unvertrautem zu tun“

Ich weiß natürlich, dass es viele Menschen gibt, die aus dem Iran, Afghanistan, aus Eritrea oder dem frankophonen Westafrika geflüchtet sind. Doch in meiner Wahrnehmung überwiegen die arabischsprachigen, denn für mich sind dies vertraute Klänge. Wenn ich nun durch die Straße laufen und dabei auf Arabisch telefoniere, kann ich mir nicht mehr sicher sein, dass mich kaum jemand versteht, wie es vorher der Fall war.

Die Furcht mancher Menschen vor dieser  „Welle“ hat viel mit Unbekanntem, Unvertrautem zu tun, die Vorurteile sind noch unscharf, was sagen dieser Bart und jenes Kopftuch über die Gesinnung ihrer Trägerinnen. Wie muss ich die ungewohnten Töne interpretieren? Döner und den Kuaför Salonu ist man gewohnt, doch nun zieren auf einmal Schilder in fremder, arabischer Schrift die Schaufenster mancher Geschäfte. Viel mehr Menschen als ich es erwartet hätte, machen mit, informieren sich, engagieren sich – auf der einen Seite – auf der anderen Seite nun die obligatorische Frage bei der Wohnungssuche: Beziehen Sie Geld vom Job Center, um nicht sagen zu müssen, nein danke, keine Flüchtlinge.

Erklären, wie Deutschland und die Deutschen ticken

Damaskus  in Bochum, genauer gesagt geflüchtete Menschen aus Syrien in Bochum, heißt auch, dass ich nun Baumärkte im Umkreis, die Möbelseiten von eBay, günstige Mobilfunktarife und Wörter wie Integrationskurs, Familienzusammenführung, Maßnahme und den Unterschied zwischen Job Center und Arbeitsamt kenne.

Ich bin dabei, kann zwar sprachlich helfen, bin aber in bürokratischer Hinsicht häufig ebenso ratlos wie diejenigen, die mich fragen. Dafür kann ich erklären, wie Deutschland und die Deutschen ticken, denn das lernt man vor allem abseits des Sprachkurses im Kontakt mit den Menschen. Auch mir musste man so manches erklären bei meinen Aufenthalten in verschiedenen arabischen Ländern.

Ich mache also nun auch in meiner privaten Umgebung das, was meine berufliche Tätigkeit schon lange ausmacht: Ich vermittle zwischen Sprachen und Kulturen, doch nun auch in die andere Richtung.

-Michaela Kleinhaus-

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Das Theater – Ein Ort der Zusammenkunft

Tamim ist sein Nachname – und auch sein Rufname. Eben dieser Tamim ist ein Schauspieler und Tänzer. Wie nutzt er seine Kunst um musikalische Brücken zu schlagen?

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Foto: Charlotte Gaudreau 

Voices of Yarmuk

Ich bin schon zwei Jahren in Bochum, aber wohl fühle ich mich erst, seitdem ich in der Theatergruppe bin.

Hier konnte ich über Menschen die reiche deutsche Kultur kennenlernen. Nicht nur weil ich das Theater liebe und weil es ein Teil meines Berufes ist, sondern, weil es das Tor zur wirklichen Integration in eine ganz neue Gesellschaft und ein neues Leben ist. Hier habe ich begriffen, was die Menschen verbindet in dieser Welt, die durch das, was wir in diesem Krieg verloren haben, dunkel geworden ist. Allmählich gab mir das Theater Wärme und innere Ruhe zurück.

Wir beginnen nun im zweiten Projekt mit der Suche nach der Persönlichkeit von Don Quijote in jedem einzelnen von uns. Ausgehend von meiner Erfahrung  im Tanz und der Bewegung im Theater versuche ich, für einige Szenen eine Choreografie zu entwickeln.

Das deutsche Publikum mit arabischer Musik bekannt machen

Auch außerhalb des Theaters organisiere ich kulturelle Aktivitäten mit verschiedenen Institutionen. Die letzte Veranstaltung war im Bahnhof Langendreer in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Flüchtlingshilfe. Dort haben wir einen Abend unter dem Motto „Voices of Yarmouk“ veranstaltet.

An diesem Abend gab es eine Ausstellung von Werken des Karikaturisten Hani Abbas und eine Reihe von kurzen Dokumentarfilmen der Gruppe „Reaction“, einer palästinensischen Gruppe von Künstlern und Filmemachern. Begleitend zu dem Vortrag eines Gedichts spielte ich auf der Lud – einer gitarrenähnlichen Laute – orientalische Musik.

-Muhammad Tamim-

 

Das Übersetzen ist ein zweipoliger Wechselschalter!

Der syrische Theaterwissenschaftler Yousef Hasan ist mit seinen Übersetzungen ein Sprach- und Kulturen-Mittler für grubengold. Was das Übersetzen mit Physik zu tun hat, erzählt uns Yousef in aller Kürze.

 

Yousef

Das Übersetzen ins Arabische schien mir lange Zeit ein lediglich zweipoliger Wechselschalter zu sein, der die Übertragung von Bedeutungen reibungslos gewährleistet, sobald die Wörter in die Zielsprache treu übersetzt werden. So einfach ist es aber nicht. Anhand einer solcher Vorstellung vom Übersetzen kann man zwar mit vielen Situationen klarkommen, es bleibt aber immer ein Rest an Interpretation. In meiner Realität bei grubengold ist der Prozess des Übersetzens sehr spannend und sagt viel über die Proben.

Die Treue zum Wort ist zwar immer erforderlich, aber das Wort-für-Wort-Übersetzen reicht nur für das Übertragen direkter, einfacher Dinge aus. Bei dem Erklären von Konzepten, Bühnenbild und der Arbeit an der Bedeutung stoße ich in meiner Rolle als Übersetzer an meine Grenzen, und es entsteht ein Spannungsverhältnis zwischen Interpretation und Treue.

Demokratischer, respektvoller Anspruch der Regie

Das liegt manchmal an den Schwierigkeiten beim Übertragen bestimmter Begriffe, für die sich nur schwer adäquate Wörter auf Arabisch finden lassen. Und selbst wenn diese präzise genug sind, brauchen die Akteure oft eine weitere Erklärung oder vielleicht Beispiele. Hier wird das Übersetzen nicht mehr in eine Richtung kanalisiert, sondern muss das Übersetzte an die Regisseurin zurückgehen, damit sie meine schon angegebene Erklärung bzw. Interpretation oder Beispiele prüfen kann.

Ein solcher Prozess ist spannend und reflektiert einerseits den demokratischen, respektvollen Anspruch der Regie an bewusstes Schauspiel und andererseits die Heterogenität der Akteure. Das Übersetzen läuft aber nicht ohne die Gefahr, den über den zweipoligen Wechselschalter umgelegten Text übertrieben zu kommentieren.

-Yousef Hassan-

Grubengold – Ein wunderbares Projekt!

Der Cellist Daniel Brandl schreibt die Musik für die „Don Quijote“-Aufführung. Warum grubengold für ihn eine herausfordernde Bereicherung ist, hat Daniel für unseren Blog aufgeschrieben.

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Foto: Peter Harbauer

Theater zu machen und sich dabei auf Übersetzter zu verlassen ist zwar ambitioniert, führt aber immer wieder zu lustigen Momenten. Und für mich als sprachinteressierten Menschen ist es sowieso toll, so viel Sprachwirrwarr durcheinander zu hören.

Das führt auch häufig zu Unkonzentriertheit. Mal muss einer leider zu spät kommen, hier schellt ein Handy, da wird kurz etwas diskutiert und, weil es immer über mehrere Sprachen geht, dauert es leider etwas länger. Für mich ist das im ersten Moment etwas anstrengend, aber der übergeordnete Gedanke „zusammen etwas machen“ geht trotzdem nie unter. Ich fühl’ mich wohl da. Auch wenn es manchmal mehr (bitte liebevoll verstehen) eine Don Quijote’sche Hammelherde ist. Bisher war am Ende jeder Probe ein Schritt in Richtung Premiere gemacht. Immer hat Regisseurin Michaela Kuczinna es hinbekommen, die Gruppe gut zu leiten.

Sich die ewigen Windmühlen vorknöpfen

In der letzten Probe machte ich wieder die Erfahrung, wie sinnlos es ist, über Musik reden zu wollen. Die Musik war schon sehr schön, sollte aber etwas weniger „ …“ haben und trotzdem etwas mehr „ …“ sein. „Du verstehst? Nein, ich auch nicht, lass uns probieren!“ Am Ende haben wir es, trotz der Sprachbarriere, geschafft, zusammen etwas Gutes zu bauen.

Das Ziel in dieser Produktion ist für mich, dem näher zu kommen, was Don Quijote für uns im Kleinen wie Großen bedeutet. Die ewigen Windmühlen, denen wir begegnen, und, die wir uns immer wieder tapfer vorknöpfen. Wir werden sicher nicht alle besiegen, aber erst der hoffnungsvolle Versuch macht es möglich, unsere Grenzen zu erweitern und dabei uns selbst zu begegnen. Ziemlich romantisch, aber wenn man graue Realität will, kann man auch einfach den Bus nehmen und sollte gar nicht erst anfangen, Theater zu machen.

Die Musik ist natürlich noch nicht fertig, sie wird während der Proben entwickelt. Am Ende wird sie ein Statement sein, dass Menschen zusammen etwas schaffen können, auch wenn es manchmal schwer ist und sich die innere Hammelherde wie unüberwindliche Giganten anfühlt.

-Daniel Brandl-

Wo ist Heimat? Und ist das überhaupt wichtig?

Ensemble-Mitglied Balaji führten Hoffnungen und Träume nach Europa. Über das Schicksal als Immigrant und seine Erkenntnisse auf einem schweren und einsamen Weg berichtet er uns.

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Foto: Carsten Schecker

I’MMigrant: Träume eines Mannes ohne Heimat

Ich erinnere mich an den Tag, an dem ich endlich träumte, während ich wach war. Es gab einen Präsidenten Indiens, Dr. A.P.J. Abdul Kalam. Er sagte einst: „Der Traum ist nicht etwas, was du siehst, wenn du schläfst, sondern etwas das dich nicht schlafen lässt.“

Als ich jünger war, bedeutete es alles für mich: Nach Europa zu kommen und mein Leben und meine Freiheit zu finden. Denn zu Hause fühlte ich mich verloren. Auf dem Weg dieses Traums vergaß ich jedoch eine Sache, etwas, was mein Vater immer sagte: „Die Freiheit hat einen Preis.“

Am zweiten Oktober 2011 erreichte ich Offenburg, um dort zu studieren. Master of Science in Energieumwandlung und Management. Es wiegt schwer, sieben Jahre deiner Zwanziger zu verlieren, egal zu welchem Preis. Vielleicht werde ich mit 50 sagen, dass ich damals leichtsinnig war. Aber: Hat es jetzt eine Bedeutung? Neee!

Ich bin ein Zugewanderter oder ein Expat oder was auch immer man so jemanden wie mich nennt. Ich weiß nicht genau wie weit es nach Hause ist, aber es ist schon eine beträchtliche Distanz. Zumindest war es mein Gefühl, als ich ich hier bleiben musste, ohne zur Bestattung meines Großvaters reisen zu können. Ich meine, dass die Grundlage des Menschseins darin besteht, mit beiden Beinen fest im Leben zu stehen. Manchmal ist das schwer. Insbesondere, wenn du nicht weißt, wo du deine Füße hinstellen kannst.

„Alles ohne Freiheit ist nichts“

Ich weiß nicht, von wem ich es lernte – den Unterschied zwischen Mitgefühl und Empathie, aber es war als ich 16 war. Von da an bin ich entweder emphatisch oder egoistisch. Ich fand Trost in dem Schwarz und Weiß des Lebens und fühlte, dass es die Realität dieser Welt ist. Schwarz und Weiß.

Ich habe reiche Menschen an mir vorbei gehen sehen, die Dinge nehmend, welche nach meinem Gefühl mir zustanden. Ich wartete währenddessen. Ich sah auch Menschen, die das Gleiche empfanden, als ich Dinge bekam. Ich weiß nicht, was der schwierigere Part ist. Oder was der bessere Part ist. Mensch zu bleiben oder ein Lebewesen mit abgestumpften Sinnen zu werden.

Wenn deine eigenen Leute dich so behandeln als hättest du keinen Respekt für deine Heimat und wenn die Menschen an dem Ort, den du für dich gefunden hast, dich so behandeln als hättest du nichts zu sagen: Dann fühlst du dich als Immigrant. Ich bin weder dazu geeignet die Sympathien, die Menschen einem Flüchtling geben, noch die Rechte eines Bürgers zu bekommen.

„Ohne Freiheit ist alles nichts; Freiheit ohne zusätzliche Dinge ist alles.“

Ein Flüchtling hat seinen Weg nach Hause verloren. Ein Bürger hat Heimat. Wo stehe ich?

Die Brücke der Identität bricht zusammen 

Es gab Zeiten, da wollte ich nicht aus Deutschland weg – den Ort, den ich für mich gefunden hatte. Aber ich wurde dazu aufgefordert. Es gab Zeiten, da konnte ich aus anderen Gründen nicht zurück hierhin.

Was ist das Leben wert ohne die Möglichkeit, geliebte Dinge zu tun? Wie in der Comedy, ist im Leben das Timing entscheidend.

Ich habe Menschen gesehen, wie sie sich nach ihrem zerstörten Heimatland sehnten, es vermissten. Aber in meinem Herzen gab es nicht ein solches Gefühl. Bedeutet das, dass ich Indien nicht vermisse? Ich denke, es gibt einen Grund, dass ich hier bin, Ein guter Grund, dass die Anstrengungen und Opfer sich als lohnenswert erweisen. Wenn du auf der einen oder anderen Seite einer Brücke bist und die Brücke zusammenbricht, weißt du immerhin, wo dein Platz ist. Wie sieht es mit Menschen aus, die wie ich mitten auf der Brücke stehen, wissend, dass das mein Platz sein muss und bleiben wird?

Ich bin ein schlechter Schwimmer. Aber auch schlecht im Aufgeben. Deshalb habe ich meinen Weg zum Ufer gefunden als die Brücke der Identität zusammenbrach und bin hochgeklettert und zu dem Ort gegangen, den ich für mich gewählt hatte.

„Ich hoffe zu erwachen und etwas Gutes zu tun“

Es gab Momente, in denen es nicht so leicht war aufzugeben, anders als manch einer behauptet. Es ist auch schwer uns, unsere Seele einer Sache zu verschreiben. Aber: Wie lange werde ich das noch durchleben? Und: Wozu?

In einem bestimmten Lebensalter war es so: Sah ich eine Mauer, bin ich diese härter und härter angegangen, bis sie brach. Und ging dann meines Weges. Mit der Zeit finde ich die Mauern fester und mich schwächer. Jetzt stehe ich da und schaue mich nach einer Tür oder Leiter um.

Ich sehe Menschen in ihrer Heimat wie sie sich über Ausländer ärgern. Ich sehe Menschen, die dafür kämpfen, den Zugezogenen zu helfen. Ich sehe Menschen, die darum kämpfen, an einem Ort, der nicht ihre Heimat ist und nie zu einer solchen werden wird, zu überleben. Ich stecke zwischendrin. Sie fühlen, dass es keine Möglichkeiten für sie gibt. Manche Menschen können die Welt nicht verändern. Und schlimmer als das, manche Menschen können sich selbst zum Besseren nicht verändern. Und mittendrin – da bin ich. Der Mann in der Mitte, der schlaue Asiate (im Vergleich zum Flüchtling) und derjenige, der seinen Job verlor (an einen Einheimischen). Ich hoffe zu erwachen und etwas Gutes zu tun. Nicht nur für mich, aber für die Menschen, die ich zurückgelassen habe und die Menschen, die ich hier gefunden habe.

Mehr als alles andere hoffe ich, dass diese Welt sich verändern wird und mit ihr die Menschen. Menschen werden ihre Heimat wiederfinden. Es wird eine Welt geben, in der diese Menschen ihre Heimat nicht verlassen müssen. Es wird auch einen Ort geben, an dem andere Menschen willkommen sein werden. Ich hoffe und glaube daran mit einem Lächeln im Herzen.

-Balaji Govindarajan-

Vorurteile über Bord werfen!

Ein Stadtteil stellt sich vor: Die Dortmunder Nordstadt

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Foto: Alopé Vostry

Ich möchte diesen Text schreiben, um viele Vorurteile über die Nordstadt abzubauen.

Die Nordstadt ist ein Stadtteil von Dortmund. Sie ist ein wunderbares Viertel mit schönen
Häusern im Barockstil. In der Nordstadt gibt es viele Altbau-Wohnungen. Ich wohne seit 4 Jahren dort und bereue keinen Moment davon. Im Keuninghaus-Park gibt es einen Bolzplatz, eine Skater Halle, eine Jugendfreizeitstätte, einen Spielplatz, ein Schwimmbad (das Nordbad heißt) und einen fantastischen Park. Im Nordbad habe ich Schwimmen gelernt.

Die Münsterstraße ist eine Einkaufsstraße in der Nordstadt in der ich auch lebe. Sie wird auch das lebendige Viertel genannt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Hier gibt es viele Café, verschiedene türkische Einkaufsläden, wo man leckeres Essen einkaufen kann. In einen dieser Läden kaufe ich immer mein Obst. Das ist das beste Obst weit und breit. Frisch und knackig. In einen Dönerladen um die Ecke, gibt es ein gigantisches Fladenbrot, das unglaublich schmeckt. Wenn man durch die Münsterstraße läuft dringen Wortfetzen in verschiedenen Sprachen in mein Ohr. Die Menschen haben eine fröhliche und offene Art. Sie lächeln einem zu und begrüßen einen. Manchmal flirten sie mit einem, was auf eine bestimmte Art lustig ist. Man bekommt ein Kompliment hinterher gerufen wie: „Schöne Frau.“

Ein besondere Mischung der Kulturen

Mit diesem Text möchte ich die Nordstadt nicht auf den ersten Platz einer Rangliste stellen. Natürlich hat sie auch ihre Schattenseite, sowie jedes Stadtviertel. Hier leben viele Menschen mit unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten. Die Arbeitslosenrate ist hier höher als anderswo, viele Menschen leben hier, weil sie ihre Heimat verlassen mussten. Jedoch haben sie ihre  Lebensfreude nicht verloren. Eine positive Atmosphäre liegt in der Luft, wenn man durch die Straßen der Nordstadt geht. In der Nordstadt leben viele verschiedene Kulturen, Familien, Studenten und Menschen die aus ihrer Heimat geflüchtet sind. Genau dieses bunte Treiben mag ich an der Nordstadt. Verschiedene Düfte von exotischen Essen ist zu riechen. Da haben wir den Libanesen, den Griechen, den Ägypter oder einen türkischen Imbiss. Jedes mal ist die Wahl schwer, wenn man sich entscheiden muss in welches Restaurant man geht.

Die kleinen, besonderen Momente des Lebens

Wenn man durch die Nordstadt geht, kann man allerlei Dinge erleben. Einmal stand eine Couch an einer Bushaltestelle. Mit einer Freundin habe ich mich dort nieder gelassen und den Komfort genossen. Ein Moment, den wir ausgekostet haben und der uns ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat. Man kann sich auch über die kleinen Dingen im Leben freuen. Im Sommer kann man sich gemütlich an den Kanal setzen, ins Wasser springen seine Bahnen drehen, ein Bier trinken und sich den Sonnenuntergang mit Freunden

ansehen. Auf den Spielplätzen laufen die Kinder barfuß durch den Sand, die Mütter sitzen auf den Bänken, unterhalten sich und genießen die Sonne. Freundschaften von verschiedenen Nationalitäten werden geschlossen. Die vielen Bars laden ein, den Abend mit einem Bier ausklingen zu lassen. Im Rekorder kann man sich Konzerte von Bands anhören. Im Herr Walter, einem Club am Hafen, ebenfalls ein Viertel der Nordstadt, kann man erlebnisreiche Nächte verbringen und zu elektronischen Beats abtanzen.

Oft wird die Nordstadt mit negativen Aspekten in den Medien verbunden, jedoch werden die schönen Dinge außer Acht gelassen. Nicht alles ist schwarz oder weiß, es gibt viele verschiedene Farben, die man auch in der Nordstadt sehen kann.

-Alopé Vostry-

Fragen an die Welt – Eine Frage an mich

Don Quijote, ein Träumer? Oder sieht er die Welt, so wie sie ist?

Oft stelle ich mir in diesem Kontext die Frage, was die Welt für mich überhaupt darstellt.
In welcher Welt möchte ich leben? Ist sie vielleicht richtig, so wie sie ist? Sollte man die Welt verändern? Oder muss ich mir einfach nur der eigenen Realität bewusst werden? Es hindert mich doch niemand daran…

Ich möchte in einer Welt leben, in der ich meine eigene Wirklichkeit kreieren kann. In der ich selbst bestimme, was Realität und Fiktion, was richtig und was falsch ist. Dieser Wunsch sollte sich jedoch nicht in einem Labyrinth von egoistischen Bedürfnissen verirren. Ich muss mir dessen Bewusst sein. Die eigenen Ziele verfolgen, aber dabei nicht die Ziele der anderen einräumen… Meine Sicht auf die Welt darf nicht als das Ding aller Dinge begriffen werden.. und erst recht nicht als die Lösung eines Problems. Sorgt sie für Ausgrenzung oder gefährdet gar das menschliche Dasein der anderen, ist sie gescheitert.

Ich nehme meinen Wunsch an die Hand und betrete diese Welt. Ich sehe sie vor mir… in ihrer Materialität, in ihrer Einzigartigkeit. Jeden Tag aufs neue versuche ich zwanghaft ihre Zeichen zu entschlüsseln um mich endlich als Ganzes begreifen zu können. Doch trotz des Haltes, den der Wunsch mir bereitstellt, geschieht die Interpretation der Zeichen oftmals nicht aus freien Stücken. Sie folgt einer unkontrollierten Anordnung von Vorlagen und Schablonen, die uns in der Entstehung unserer Individualität aufgetragen werden. Nun gilt es also sich von dieser Anordnung zu lösen.

-Carsten Schecker-

Was ist das überhaupt, Liebe?

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Für mich gibt es einen Unterschied zwischen Liebe und Verlangen.

Das Verlangen ist eine Sache des Augenblicks, zeitlich begrenzt. Doch die Liebe ist eine stetige Neigung, erhaben über das wechselhafte Verlangen.

Die Liebe zur Heimat zum Beispiel, zur heimatlichen Erde, zur vertrauten Luft oder dem Gewässer Wasser. Am schwierigsten ist doch diese Liebe, du sehnst dich voller Schmerz nach einer Heimat, die dir Halt gibt. Die Heimat verdient am meisten unsere Liebe.

Die Liebe zu den Eltern, die Sehnsucht nach ihnen, ihre Liebe zu uns und unsere Liebe für sie liegt in der Natur, doch am schönsten ist es, wenn diese Liebe wächst mit ihnen und durch sie, diese Liebe, in der man all die kleinen Dinge teilt.

Die Liebe zu den Geschwistern ist eine Stütze im Leben, und wenn ich das das so sage, meine ich etwas sehr Großes.

Die Liebe zu einem Volk, einer Zugehörigkeit, wie schwer ist es, wenn dir diese verwehrt bleibt; selbst Unterdrückung und Gewalt können sie in deinem Herzen nicht töten.

Die Liebe zu den Freunden, diese Liebe und Treue, die nicht einfach zu finden ist. Diese Liebe ist sehr selten, und sie ist bedingungslos. Das Schlimmste was dir widerfahren kann, ist es, einen Freund zu begraben, du begräbst dich selbst und dein Herz mit ihm.

Die romantische Liebe: eine Hütte wünsche ich mir, kein Schloss der Welt, wenn ich dich nur habe.

Niemand glaubt an die Liebe so wie ich: meine Mutter und mein Vater haben mich gelehrt, zu lieben ohne zu hassen, zu vergeben ohne nachzudenken und mit dem, den ich liebe, über den Himmel zu ziehen.

Erlege deiner Liebe keine Bedingungen auf, sag’ nicht „Ich liebe dich aus diesem Grund“, sag ́: „Ich liebe dich ohne einen Grund.“ Wenn wir lieben, werden wir zu Kindern.

– Belaliz Schahin –