Nach der Premiere ist vor der Vorstellung

Unsere Don-Quijote-Premiere hat Publikum und Presse begeistert. Von der Spielfreude, Präsenz und musikalischen Highlights der grubengold-Akteure konnte sich Nathalie Memmer vom Lokalkompass überzeugen.
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WIR gegen Windmühlen

Lisa Fumega Rodrigues ist für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit am PRT verantwortlich. Außerdem hat sie das grubengold-Team bei der neuen Produktion „Don Quijote“ vom ersten Tag an begleitet und tatkräftig unterstützt. Im folgenden Beitrag schildert sie uns ihre gewonnenen Eindrücke. 

Pressegespräch mit der Bezirksregierung
Foto: Dirk Krogull

Monate sind vergangen, seit das grubengold-Ensemble in neuer Konstellation und unter neuer Leitung in die zweite Runde gestartet ist. „Am Anfang war das Wort“, ist das Bibelzitat, mit dem das Ensemble einleitend zum Theaterbesuch einlädt, und so war es auch für grubengold, als damals die Frage aufkam, wie das transkulturelle Theaterprojekt in dieser Spielzeit aussehen soll. Eine literarische Vorlage sollte es sein. Don Quijote. Damals wusste noch keiner, wie der Theaterabend aussehen würde, der sich aus diesem über tausend Seiten starken Roman entwickeln würde. Und nun ist sie da: Die Generalprobe. In eine Reihe aus praktischen und administrativen Fragen („Wie kriegen wir unsere Endproben und Vorstellungen mit den Terminkalendern der Teilnehmer unter einen Hut, die längst in Bochum angekommen sind, und nun Deutschprüfungen und Arbeitszeiten haben?“/ „Welche Songs wünscht ihr euch für die Premierenparty?“/ „Kriege ich noch mehr Karten für die ausverkaufte Premiere?“) mischt sich auch ein Potpourri aus Emotionen. Nervosität. Anspannung. Jeder kämpft gegen seine ganz persönlichen Windmühlen. Dann aber auch: Aufregung. Freude in den Gesichtern, als der Freundeskreis des PRINZREGENTTHEATERS als erstes Testpublikum die Probe verlässt. Ein Lacher während der Proben, der das Zeug zum neuen Running Gag hat. Umarmungen, als am Abend alle gemeinsam das Theater verlassen, um sich am nächsten Tag schon wiederzusehen. Ganz besonders in diesen hochkonzentrierten und intensiven Tagen kurz vor der Premiere ist eines ganz klar erkennbar: Aus der kleinen Gruppe fremder Menschen verschiedenster Herkunft und Muttersprachen ist eine transkulturelle Familie geworden, ein Teil der PRT-Familie.

Dass wir bis hierhin gekommen sind, haben wir auch unseren Freunden und Unterstützern zu verdanken. Zum Beispiel der Zukunftsakademie Bochum, dank der unser Ensemble einen Probenraum in der Humboldtstraße hatte, bevor es zu uns „nach Hause“ kommen konnte. Dem Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, das die Finanzierung des gesamten Projekts erst möglich gemacht hat. Der Regierungspräsidentin Frau Ewert, die nicht nur persönlich ins PRT kam, um den Förderbescheid zu überreichen, und damit den Startschuss für das Projekt setzte, sondern sich auch sehr viel Zeit zum persönlichen Gespräch mit uns nahm und schließlich den Kontakt zu Burkhard Römmelt herstellte, der in Arnsberg für die Vermittlung zwischen Geflüchteten und den Behörden verantwortlich ist. Dank seines Einsatzes konnte Noor Shawish in Bochum, und damit Teil des Projektes bleiben. Zur Familie gehört er sowieso.

http://www.lokalkompass.de/bochum/politik/burkhard-roemmelt-vermittelt-erfolgreich-zwischen-gefluechteten-und-behoerden-und-konnte-dabei-auch-dem-bochumer-prinzregenttheater-einen-grossen-dienst-d760218.html

– Lisa Fumega Rodrigues, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit PRT – 

Sich öffentlich bedanken!

Auch die Presse begleitet uns bei den letzen Schritten in Richtung Premiere.

„Im Prinz-Regent-Theater erzählt das ‚Grubengold‘-Ensemble die wahre Geschichte des Mannes aus La Mancha. Auch Geflüchtete wirken mit.“ (Jürgen Boebers-Süßmann/ WAZ) 

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„Im Kampf gegen Windmühlen: Interkulturelles ‚Grubengold‘-Ensemble bringt am Prinzregenttheater eine ganz eigene Version von ‚Don Quijote‘ auf die Bühne“ (Nathalie Memmer/ lokalkompass)

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Vor zwanzig Jahren das erste Mal Don Quijote

Don Quijote als Theaterstück – zusammen mit Regisseurin Michaela Kuczinna; und nun wieder bei grubengolds Don Quijote-Inszenierung. Was diesmal anders ist und was grubengolds Don Quijote ausmacht, darüber Dorothee Schumacher: 

DORO
Foto: Sandra Schuck 

Als mich Michaela Kuczinna vor einem dreiviertel Jahr fragte, ob ich Lust hätte bei einem spannenden Don Quijote-Projekt mitzumachen, war ich sofort Feuer und Flamme.

Wir kennen uns schon seit ungefähr 20 Jahren. Zu Studentenzeiten lernten wir uns als Kinderbetreuerinnen in einem Feriencamp in Italien kennen, sie war damals Theaterwissenschafts- und ich Designstudentin. Drei Jahre später trafen wir uns dann in der Theaterkantine des Schauspielhauses Bochum wieder, damals unter der Intendanz von Leander Hausmann. Schon damals setzten wir uns mit Don Quijote als Theaterstück auseinander; sie als Regieassistentin von Dimiter Gotscheff und ich als Kostümbildassistentin.

Ich freute mich auch auf die Arbeit am Prinzregenttheater. Hatte ich doch erst kurz vorher gehört, dass es dort spannende Veränderungen gab. Leider konnte ich nicht direkt einsteigen, da ich noch beruflich nach Bayern musste. So stieß ich erst später zu der ganzen Gruppe dazu.

Don Quijote nicht historisch eingrenzen

Wer welche Funktionen übernahm, wer als Assistent oder Assistentin und wer als Übersetzer fungierte, war mir nicht sofort klar. Alle spielten ganz selbstverständlich bei den Proben mit. Das war neu für mich. Es sind bis jetzt viele Leute dazugekommen und leider haben auch einige die Truppe wieder verlassen. Es freut mich, dass einige immer noch auf der Bühne zu sehen sind, obwohl sie es vorher bestimmt nicht so geplant hatten. Zunächst einmal war es uns wichtig, unseren Don Quijote nicht historisch einzugrenzen. So konnte ich Kostümteile der unterschiedlichsten Genres und Epochen zusammensuchen. Diese kombinierte ich mit zum Teil skurrilen Accessoires, welche ich ihrer Funktion enthob und umfunktionierte.

Auch der Ort „La Mancha“ war eigentlich eher zweitrangig.

Don Quijote könnte sich überall auf dieser Welt zu unterschiedlichen historischen, auch modernen Zeiten aufhalten. Spannend war es, mit unseren Schauspielern und ihren persönlichen Ansichten, ihre Rolle zu entwickeln und diese letztendlich in ihren Kostümen darzustellen. Sie brachten viele Sachen mit. Teilweise Erbstücke von der Mutter, selbst genähte Hochzeitskleider, Tuniken und Mäntel. Zusammen erarbeiteten wir unsere Kunstfiguren. Dabei ist es wichtig zu erwähnen, dass es bei unserer Inszenierung nicht nur einen Don Quijote oder einen festgelegten Sancho gibt. Jeder einzelne schlüpft einmal in die Rolle und versucht seine spezielle Sichtweise wiederzugeben.

Ein Workshop für den letzten Schliff

An diesem Wochenende bekam unser Kostümbild den letzten Schliff. Ilka Freiin von Forstner, eine Maskenbildnerin aus Oberhausen, gab einen Maskenworkshop. Dieser war wichtig, weil während der Aufführungszeit die Schauspieler sich selbst schminken und vorbereiten müssen. Um das Haarstyling jedes Einzelnen  kümmert sich Noor Shawish, welcher vor seiner Zeit in Deutschland schon als Frisör tätig war. Bei all dieser künstlerischen Arbeit war es eher zweitrangig, dass mir Arabisch als Sprache in meiner Arbeit bisher unbekannt war. Da ich viel im Ballett und in der Oper arbeite, ist es ohnehin normal für mich, auf unterschiedliche Nationalitäten zu treffen.

Wichtig ist, dass Alle für Alles offen sind und der Kreativität so keine Grenzen gesetzt werden. Und bei unseren Don Quijote-Vorbereitungen ist es genau so.

 

-Dorothee Schumacher-