Warum ist ein syrischer Regisseur ein Don Quijote?

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Für den studierten Filmregisseur und grubengold-Akteur Jihad Kinno sind Regisseure, ganz besonders angehende in Syrien, Don Quijote. Warum das so ist und was das mit seinen künstlerischen Erfahrungen in dem Land seiner Herkunft zu tun hat, davon erzählt er selbst:

Als ich mein Studium im Fach Regie und Film an der Libanesischen Universität im Jahr 2011 abgeschlossen hatte und nach Syrien zurückkehrte, begann dort im selben Jahr die Revolution.

Natürlich war das der Hauptgrund dafür, dass ich in meinem Beruf auf zahlreiche Schwierigkeiten stieß, insbesondere bei der Regie und Produktion von Spielfilmen. Deshalb entschied ich mich dafür Kurzfilme zu machen. Ich drehte einen 15 Minuten langen Kurzfilm mit dem Titel „Der Schritt“ oder „Step“. Dieser handelt von der Persönlichkeit der Schriftsteller, das Leiden der Verhaftung und die Einschränkung der Meinungsfreiheit. Ich habe mit diesem Kurzfilm versucht, ein Bild von der Revolution und der Lage in Syrien zu entwerfen.

Danach arbeitete ich im Jahr 2012 an einem Film, „Zurück aus der Vergangenheit“. Von elf Minuten Dauer handelte er von einer Person, die psychisch erkrankt ist. Die Anfänge dieser Störung sind auf einen sexuellen Übergriff in der Kindheit zurückzuführen.

Im Jahr 2013 machte ich eine gute, neue Erfahrung mit dem Spielfilm „Der Weg nach Aleppo“. Ich war Regieassistent dieser Filmarbeit und wirkte auch als Schauspieler in einigen Szenen mit. Wir arbeiteten anderthalb Monate, obwohl das Arbeitsklima schwierig war. Dennoch machten wir den Film fertig.

Die Erfahrungen und künstlerischen Arbeiten im Bereich der Regie und des Filmens, die ich anspreche, habe ich unter schwersten Bedingungen und Herausforderungen geschafft. Denn in einem Land wie Syrien, in dem ein großer Krieg herrscht, braucht man Stärke und einen starken Willen, um einfachste Aufgaben des Filmens und der Regieführung zu erledigen.

Ich wollte einen anderen Umgang mit dieser außergewöhnlichen Situation in Syrien. Das Ziel meiner neuen Arbeiten war nicht, dass die Öffentlichkeit alles versteht, was die Personen im Film sagen oder darstellen, sondern ich wollte versuchen, die Zuschauer erfahren zu lassen, welche Bilder die Kamera aufnimmt und die Szenen sollten die Tiefe der Menschlichkeit zeigen.

Ich habe mir Mühe gegeben, in der Lebenswirklichkeit und unter den Umständen, die mir zur Verfügung standen, zu arbeiten. Zugleich versuchte ich, Zuschauer in die Welt der Träume zu führen und Rückzug aus der bitterlichen Realität zu bieten. Denn ich glaubte, auf diese Weise eine neue und alternative Realität schaffen zu können. Diese neue Wirklichkeit sollte den Kriegszustand ersetzen.

Ich wollte eine andere Lebensrealität hervorbringen, in der nur Liebe und Frieden herrschen. Und durch meine Kamera wollte ich auch das im Alltag in allen Bereichen Unsichtbare zeigen. Ich suchte nach meiner Kindheit – in der Hoffnung, das Leben so aufzubauen, wie ich es als Kind kennengelernt hatte. Mit meiner Kamera war ich auf der Suche nach Menschlichkeit und nach dem Respekt vor der Äußerung der eigenen Meinung.

Deshalb soll jeder Regisseur, der die gleichen edlen Gedanken hat, „Don Quijote“ genannt werden. Ebenso wie Don Quijote hat man nicht die ausreichenden Materialien zur Verfügung um seine Ziele zu erreichen. Ein Ausweg ist es nur, gegen die Lebensumstände zu kämpfen. Angesichts der mangelnden finanziellen Unterstützung im Bereich der Produktion war auch die Freiheit begrenzt, Kunst zu machen, Regie zu führen, zu filmen, ein Drehbuch zu schreiben.

Ich finde deshalb „Don Quijote“ passend für alle Regie-Anfänger mit eigenen Gedankenräumen und Ideen, aber mit dem Unterschied zwischen „dem Ort Syrien“ und „dem Jahr 2017“.

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