Das Goldene Zeitalter

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Aktion! Reaktion! – Eine Hommage auf das goldene, glückliche Zeitalter

Don Quijote steht für zeitlose, ideelle Kämpfe des Menschen in einer nicht so idealen Welt. Aber nicht nur! Der sinnreiche Junker von der Mancha und sein treuer Knappe Sancho Panza sind auch Figuren ihrer Zeit.

Das „beste“ Buch der Welt, so vom Osloer Nobelinstitut gekürt, ist eine Hommage an das Goldene Zeitalter. Man könnte auch sagen, der hagere, Ideen-verrückte Junker feiert das vielfach besungene Goldene Zeitalter ab.

Latein: aurea aetas oder aurea secula. Das Goldene Zeitalter. Bereits seit dem antiken Griechenland gibt es diesen Begriff, diesen Mythos von jener Zeit vor den Einengungen der Zivilisation als die Menschen friedlich und frei lebten. Die Menschen gehen friedfertig, liebevoll miteinander um, sie sind Teil der Natur. Kriege, Verbrechen und Laster gibt es nicht. Die Menschen sind bescheiden in ihren Ansprüchen. Gier und Habgier sind ihnen unbekannt.

Für diese Ideale steht Don Quijote mit seinem Kampf gegen Windmühlen, die er für Riesen hält, seiner reinen Liebe zur Bauerstochter, die für ihn zur edlen Dame Dulcinea de Toboso wird oder im Kampf mit der staubumwölkten Hammelherde, die für ihn zu einem mächtigen Heer wird. Don Quijote ist beseelt von dieser Idee des Goldenen Zeitalters. So sagt der tapfere Möchtegern-Ritter in einer Lobrede vor Ziegenhirten auf die glückliche Zeit – „welche die Alten die goldenen genannt haben“.

Doch es folgten weitere Zeitalter. Diese – nach Metallen von absteigender Qualität benannten Epochen – hätten zusehends im Zeichen moralischen Verfalls, des Strebens nach Macht und Besitz gestanden. Die Lebensbedingungen der meisten Menschen verschlechterten sich drastisch. „Im Don Quijote von 1615 ziehen Ritter und Knappe durch ein Spanien im Verfall. Die Mancha ist entvölkert, die Adligen leben in Verschwendung und Faulheit und suchen nur das Vergnügen,…um der Langeweile zu entkommen, dem ennui der Dekadenten. Sie ergötzen sich an Ritterromanen, da die eigene ritterliche Vergangenheit lange zurückliegt. Jetzt wird der Krieg nur noch gespielt, sei es bei Turnieren oder auf der Jagd, die der Herzog Sancho wärmstens empfiehlt, da sie so gut auf den Krieg vorbereite, den die Adligen doch längst an das Berufsheer abgetreten haben.“ (Susanne Lange im Nachwort zu Miguel de Cervantes, Don Qujote de la Mancha, dtv, 2008) Don Quijote will ein anderer sein in dieser verkommenen Zeit: Er ist streng mit sich, will Gerechtligkeit, Luft und Ideen sind seine Nahrung.

El Siglo de Oro – das Goldene Zeitalter ist auch Synonym des „Spanischen Zeitalters“. Im späten 16. Jahrhundert und der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts war Spanien die bedeutendste Macht des Kontinents.

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