Endlich. Und viel zu spät

Ordnung.
Alles in Ordnung.

Ich habe dieses Wort, diesen Satz oft betrachtet. Nicht nur in unserem Theaterstück, auch im alltäglichen Leben. Genauer gesagt in diesem Dasein als Flüchtling, das ich hier in Deutschland lebe.

Ich heiße Yousef Zaghmout und lebe seit einem Jahr und vier Monaten in Deutschland. Geflüchtet bin ich aus Syrien, wo ich schon als Flüchtling geboren wurde, als Sohn palästinensischer Eltern. Vor einigen Jahren dann kam der Krieg dorthin, wo ich lebte – und eines Tages flüchtete ich, zunächst in den Libanon, später weiter nach Deutschland.

Ich wende Ordnung an.
Genauer oder ehrlicher gesagt: Die Ordnung passt mich an.
Ich habe keine Wahl und keinen eigenen Wunsch.

Ein Jahr und drei Monate habe ich darauf gewartet, meinen Deutschkurs zu beginnen und die wichtigsten Bestandteile meiner Integration in die deutsche Gesellschaft zu erlernen, vor allem also: die Sprache. Vielleicht sollte man erwähnen, dass ich das seit meiner Ankunft, seit dem ersten Monat gewünscht und eingefordert habe.

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»Wir haben die Pflicht für die Menschen zu sprechen, die keine Stimme haben.«

Stimmen aus dem grubengold-Ensemble:Yousef Zaghmout
Yousef Zaghmout

 

Weil wir nicht dürfen – eine Bitte: Geht doch mal wieder Blut spenden

Manchmal merken wir, dass man so schnell nicht ankommt in dem Land, in das man geflüchtet ist. Die Sprache lernen wir noch relativ zügig, jedenfalls geben wir uns Mühe. Und mit den Behörden und unseren Aufenthaltstiteln ist mittlerweile alles geklärt. Aber dann wollten wir gute Bürger sein, uns einbringen, etwas für andere tun, weil es wichtig ist. In diesem Fall sogar: überlebenswichtig.

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Eine Blutspende. [Foto: Wikipedia-Nutzer ANKAWÜ, modifiziert, CC BY-SA 3.0]
Wir wollten Blut spenden; aber wo ein Wille ist, ist eben doch nicht immer ein Weg. Wir sind Mohammad und Tamim aus dem grubengold-Ensemble.

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Wünsche vom Glück

Als ich in Deutschland ankam, war ich anfangs sehr glücklich: ein völlig neues Gefühl von Sicherheit. Und Zuversicht: Ich würde mein Studium abschließen, meine Familie und meine Verlobte zu mir holen, ein neues Leben beginnen.

Doch nach einiger Zeit war ich frustriert von all der Bürokratie und Routine, die Zuversicht wich. Ich kann mein Studium nicht abschließen und ich bin meiner Familie fern; und meiner Verlobten.

Mein Gefühl gegenüber Deutschland veränderte sich allmählich. Ich sehnte mich nach Ruhe und Stabilität, nach Sicherheit. Aber alles, was ich meiner Familie nun sagen konnte, war, dass ich gleichzeitig glücklich und unglücklich bin:

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Reden wir

Künstler suchen oft die menschliche Seite der Geschichte. Diese wollen sie zeigen, schreibt Tania Canas, und die Geschichte lebendig werden lassen.

Und weil Kunst politisch ist und menschlich, zumal mit Geflüchteten, hat Canas, Arts Director der australischen Organisation RISE, eine Liste erstellt:

Zehn Punkte für Kunst mit Geflüchteten.

PUNKT 8: Reduziere uns nicht auf ein Thema.

Wir sind Menschen mit Erfahrungen, Wissen und Fähigkeiten. Wir können über viele Dinge sprechen; reduziere uns nicht auf ein Narrativ.

Also, reden wir nicht nur über das Eine.

10 things you need to consider if you are an artist,
Tania Canas, @RISErefugee.org
,
in deutscher Übersetzung @kultur-oeffnet-welten.de

Vorschau @WDR: »Ich kann Dinge noch nicht wahrnehmen, wie sie ein Deutscher wahrnimmt.«

Vor der Premiere hat der WDR grubengold besucht.

Muhammad Tamim sagt in dem Beitrag:

Muhammad Tamim
Muhammad Tamim

»Der Brief, das Gedicht oder die Tanzszene drücken ja nicht etwas individuelles aus – sondern die Geschichte von uns allen. Wir alle haben Familien, die überall verstreut sind. Wir treffen uns nur noch in Chatrooms. Deswegen geht es uns nicht darum, unsere persönlichen Erfahrungen auf die Bühne zu bringen. Wir wollen die Geschichte von uns allen erzählen.«

»Es geht gar nicht darum, ob wir uns wohl fühlen oder nicht. Wir haben noch gar kein Gefühl für unsere Umgebung entwickelt. Wir sind hier als Flüchtlinge. Dann gibt es die Deutschen auf der anderen Seite. Zwischen uns ist eine Kluft. Ich bin noch gar nicht richtig angekommen. Ich komme aus einem Land, in dem ich auch schon Flüchtling war. Hier bin ich wieder Flüchtling. Und ich kann Dinge noch nicht wahrnehmen, wie sie ein Deutscher wahrnimmt.«

Den Beitrag, der am Freitagabend in Resonanzen bei WDR 3 lief, hört Ihr hier.