»Leb in meinen Augen«

In grubengold hat Sandy zwei überwältigend persönliche Momente, in denen sie sich auf der Bühne an ihre abwesende Schwester wendet. Seit Sandys Flucht nach Deutschland leben die beiden nicht mehr beieinander. Sandy zeigt, wie sehr sie ihre Schwester Miyushi vermisst, verliest einen Brief (»Love u Sister«), den sie ihr geschrieben hat und widmet ihr das Lied »Meine Schwester und ich«:

 

Sandy Aldares: »In meinem Herzen sind Wärme und Zuneigung«

 

 

 

 

 

 

Umarme mich Schwester, umarme mich

Schlaf in Sicherheit, meine Liebe

In meinem Herzen sind Wärme und Zuneigung

Meine Mutter hat gesagt, ich soll dich im Auge behalten

Fürchte dich vor nichts

Mit mir soll dir nichts passieren

Leb in meinen Augen
(Ich will dich immer vor mir sehen/
Meine Augen sollen immer bei dir sein)

 

von Sandy AldaresSandy Aldares

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»Love u Sister«

Sandy liest in grubengold einen Brief vor, den sie Anfang des Jahres an ihre Schwester geschrieben hat. Seit Sandys Flucht im Sommer 2015 leben die beiden getrennt.

 

Hi Miyusha meine Liebe,

wie geht es dir meine Liebe, ich vermisse dich so.

Mir geht es gut hier, ich warte ungeduldig, dass du kommst und wir wieder
zusammenleben. Ich schreibe dir diesen Brief aus dem Theater, wo wir
trainieren, proben, singen, Unsinn machen und tanzen. Wir proben hier für
die Aufführung.

Liebste Schwester, ich hoffe, es geht dir so gut wie mir. Ich fühle mich wieder wie in unserer Schulzeit, aber dieses Mal strenge ich mich mehr an und verstehe mehr.

Nächsten Monat ist Marias Hochzeit, Mama und ich werden sie vorbereiten. Sobald ich ein Kleid habe, schicke ich dir ein Foto, ich werde die ganze Hochzeit fotografieren und dir die Fotos schicken, damit Papa und du alles sehen könnt.

Vor einer Woche oder so war unsere Theatergruppe in Frankfurt, die Stadt ist wirklich schön, und wir hatten dort viel Spaß. Wenn Du erst hier bist, fahren wir zusammen.

Ich habe vergessen, Dir zu sagen, dass wir in eine neue Wohnung gezogen sind, allerdings wohnen wir nicht allein sondern mit anderen Leuten. Die Wohnung ist schön, aber ein bisschen weit, ich brauche eine halbe Stunde mit dem Bus in die Stadt.

Weißt Du was, ich vermisse dich wirklich sehr,
wer macht mir jetzt meine Haare, mit wem soll ich streiten,
wen soll ich in die Wange kneifen und dann wieder küssen,
wer soll mir Sachen zum Anziehen aussuchen
und dann sagen, das steht dir und das nicht.

Mimi, kommt schnell, ich stelle dir dann alle meine Freunde vor,
ihr werdet Euch bestimmt mögen.

Love u Sister,
Sandy

 

von Sandy AldaresSandy Aldares

Vorschau @WDR: »Ich kann Dinge noch nicht wahrnehmen, wie sie ein Deutscher wahrnimmt.«

Vor der Premiere hat der WDR grubengold besucht.

Muhammad Tamim sagt in dem Beitrag:

Muhammad Tamim
Muhammad Tamim

»Der Brief, das Gedicht oder die Tanzszene drücken ja nicht etwas individuelles aus – sondern die Geschichte von uns allen. Wir alle haben Familien, die überall verstreut sind. Wir treffen uns nur noch in Chatrooms. Deswegen geht es uns nicht darum, unsere persönlichen Erfahrungen auf die Bühne zu bringen. Wir wollen die Geschichte von uns allen erzählen.«

»Es geht gar nicht darum, ob wir uns wohl fühlen oder nicht. Wir haben noch gar kein Gefühl für unsere Umgebung entwickelt. Wir sind hier als Flüchtlinge. Dann gibt es die Deutschen auf der anderen Seite. Zwischen uns ist eine Kluft. Ich bin noch gar nicht richtig angekommen. Ich komme aus einem Land, in dem ich auch schon Flüchtling war. Hier bin ich wieder Flüchtling. Und ich kann Dinge noch nicht wahrnehmen, wie sie ein Deutscher wahrnimmt.«

Den Beitrag, der am Freitagabend in Resonanzen bei WDR 3 lief, hört Ihr hier.

Ich, mein Lager

Yarmuk, das palästinensische Füchtlingslager südlich von Damaskus, 2012. Die Regierungstruppen bombardieren das Lager, verhaften und töten Menschen. Ein junger Sanitäter birgt Verletzte und hilft Menschen. Er wird schwer verletzt.

Später schreibt er dieses Gedicht

„Ich, mein Lager“ weiterlesen