»Love u Sister«

Sandy liest in grubengold einen Brief vor, den sie Anfang des Jahres an ihre Schwester geschrieben hat. Seit Sandys Flucht im Sommer 2015 leben die beiden getrennt.

 

Hi Miyusha meine Liebe,

wie geht es dir meine Liebe, ich vermisse dich so.

Mir geht es gut hier, ich warte ungeduldig, dass du kommst und wir wieder
zusammenleben. Ich schreibe dir diesen Brief aus dem Theater, wo wir
trainieren, proben, singen, Unsinn machen und tanzen. Wir proben hier für
die Aufführung.

Liebste Schwester, ich hoffe, es geht dir so gut wie mir. Ich fühle mich wieder wie in unserer Schulzeit, aber dieses Mal strenge ich mich mehr an und verstehe mehr.

Nächsten Monat ist Marias Hochzeit, Mama und ich werden sie vorbereiten. Sobald ich ein Kleid habe, schicke ich dir ein Foto, ich werde die ganze Hochzeit fotografieren und dir die Fotos schicken, damit Papa und du alles sehen könnt.

Vor einer Woche oder so war unsere Theatergruppe in Frankfurt, die Stadt ist wirklich schön, und wir hatten dort viel Spaß. Wenn Du erst hier bist, fahren wir zusammen.

Ich habe vergessen, Dir zu sagen, dass wir in eine neue Wohnung gezogen sind, allerdings wohnen wir nicht allein sondern mit anderen Leuten. Die Wohnung ist schön, aber ein bisschen weit, ich brauche eine halbe Stunde mit dem Bus in die Stadt.

Weißt Du was, ich vermisse dich wirklich sehr,
wer macht mir jetzt meine Haare, mit wem soll ich streiten,
wen soll ich in die Wange kneifen und dann wieder küssen,
wer soll mir Sachen zum Anziehen aussuchen
und dann sagen, das steht dir und das nicht.

Mimi, kommt schnell, ich stelle dir dann alle meine Freunde vor,
ihr werdet Euch bestimmt mögen.

Love u Sister,
Sandy

 

von Sandy AldaresSandy Aldares

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Eine Minute als: Skulptur

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Ein letzter Abend grubengold, nun geht es weiter mit: grubengold natürlich. Unser Stück, das wir für diese Spielzeit entwickelt haben, haben wir am vergangenen Mittwoch letztmals aufgeführt – nach sechs Abenden: fünf zuhause am PRINZREGENTTHEATER, einer als Gastspiel bei der Ruhr International in der Jahrhunderthalle Bochum. Es waren aufregende Monate, die hinter uns liegen. Wir könnten traurig sein, dass sie vorüber sind.

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Terodde trifft für Daks Laune – ein Besuch im Krankenhaus

Der VfL hat gewonnen, zwei zu null in Kaiserslautern, beide Tore Terodde. Und wir haben im Krankenhaus gejubelt. Dak war schon einige Tage dort ans Bett gefesselt. Und weil ich an diesem Montag etwas früher aus der Schule kam, ging ich ihn besuchen.

Es war ein Abenteuer, Daks Zimmer im St. Josef-Krankenhaus zu finden. Ich brauchte ein bisschen, bis ich vor der richtigen Tür stand. Dak hat sich sehr gefreut, als ich sie öffnete. Das sah ich ihm an.

An Daks Bett hängt ein Schal: halb Vfl Bochum, halb Bayern München. Er liebt Fußball. Und dank Simon Terodde, dem VfL-Stürmer, hatte Dak für einige Momente vergessen, dass er bettlägerig war und mit unseren Proben aussetzen musste. Es fiel ihm schwer, nicht dabei zu sein. Die Zeit im Krankenhaus sei einfach sehr, sehr langweilig, sagte er. Tja, und was er vom Essen hielt, das muss ich wohl nicht erzählen. Krankenhaus eben. Wir haben viel gelacht, auch darüber.

Zum Abschied nahmen wir uns in den Arm. Und jetzt, kurz vor unserer Premiere, sind wir alle froh, dass Dak wieder dabei ist.

 

von Alopé VostryAlope Vostry

»…und dann stand das Publikum auf und applaudierte«

Früh morgens, an einem Donnerstag Mitte Januar, sammelten wir uns auf dem Bahnsteig des Hauptbahnhofs Bochum. Wir erwarteten den Zug, der uns nach Frankfurt bringen sollte, zum Festival Fluchtpunkt Frankfurt, an dem wir drei Tage lang teilnehmen durften.

Eine Frage stand dort über allem: »Wie wollen wir leben?«

Um darauf Antworten zu finden, hatte das Schauspiel Frankfurt eingeladen – uns und andere Theater und Schulen, die mit geflüchteten Menschen Theater machen. Es war ein Festival der Begegnung, mit Musik, Schauspiel, Tanz, Literatur und Wissenschaft, mit alten und neuen Frankfurtern, mit alteingesessenen Deutschen und zukünftigen.

Auf den Bahnsteig kam auch Romy Schmidt, die Leiterin des PRINZREGENTTHEATERS. Sie wollte uns begleiten und stieg mit uns in den Zug. Später gab sie unserem grubengold-Blog ein Interview:

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Nochmal von vorne – wir erfinden eine neue Welt

Probe, die nächste. Kurz vor den Endproben. Wir spüren, dass es bald losgeht. Wir sind grubengold, wir sind zehn Menschen, die geflüchtet sind und jetzt in Bochum leben. Und wir machen Theater. Denn:

»Wir müssen eine andere Welt erfinden, denn wir wissen: Eine andere Welt ist möglich. Es ist an uns, sie mit unseren eigenen Händen zu bauen, uns einzumischen und auf die Bühne zu gehen: auf die Bühne des Theaters wie auf die Bühne des Lebens.« – Augusto Boal

Bald ist unsere Premiere, am 1. April schon, auf der Bühne im Prinzregenttheater. Und wir haben noch einiges zu tun bis dahin, noch einiges mit unseren eigenen Händen zu bauen. Holger und Ronja sind unsere Architekten, sie helfen uns, unsere Welt im Theater zu erfinden.

Kürzlich haben wir Interviews gegeben. Wir haben viel nachgedacht, dann sprachen wir über uns und die Welt. Wir möchten Euch von unseren Antworten erzählen.

grubengold, Premiere im PRINZREGENTTHEATER, 1. April, 19.30 Uhr.