Endlich. Und viel zu spät

Ordnung.
Alles in Ordnung.

Ich habe dieses Wort, diesen Satz oft betrachtet. Nicht nur in unserem Theaterstück, auch im alltäglichen Leben. Genauer gesagt in diesem Dasein als Flüchtling, das ich hier in Deutschland lebe.

Ich heiße Yousef Zaghmout und lebe seit einem Jahr und vier Monaten in Deutschland. Geflüchtet bin ich aus Syrien, wo ich schon als Flüchtling geboren wurde, als Sohn palästinensischer Eltern. Vor einigen Jahren dann kam der Krieg dorthin, wo ich lebte – und eines Tages flüchtete ich, zunächst in den Libanon, später weiter nach Deutschland.

Ich wende Ordnung an.
Genauer oder ehrlicher gesagt: Die Ordnung passt mich an.
Ich habe keine Wahl und keinen eigenen Wunsch.

Ein Jahr und drei Monate habe ich darauf gewartet, meinen Deutschkurs zu beginnen und die wichtigsten Bestandteile meiner Integration in die deutsche Gesellschaft zu erlernen, vor allem also: die Sprache. Vielleicht sollte man erwähnen, dass ich das seit meiner Ankunft, seit dem ersten Monat gewünscht und eingefordert habe.

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»Wir haben die Pflicht für die Menschen zu sprechen, die keine Stimme haben.«

Stimmen aus dem grubengold-Ensemble:Yousef Zaghmout
Yousef Zaghmout

 

Vorschau @WDR: »Ich kann Dinge noch nicht wahrnehmen, wie sie ein Deutscher wahrnimmt.«

Vor der Premiere hat der WDR grubengold besucht.

Muhammad Tamim sagt in dem Beitrag:

Muhammad Tamim
Muhammad Tamim

»Der Brief, das Gedicht oder die Tanzszene drücken ja nicht etwas individuelles aus – sondern die Geschichte von uns allen. Wir alle haben Familien, die überall verstreut sind. Wir treffen uns nur noch in Chatrooms. Deswegen geht es uns nicht darum, unsere persönlichen Erfahrungen auf die Bühne zu bringen. Wir wollen die Geschichte von uns allen erzählen.«

»Es geht gar nicht darum, ob wir uns wohl fühlen oder nicht. Wir haben noch gar kein Gefühl für unsere Umgebung entwickelt. Wir sind hier als Flüchtlinge. Dann gibt es die Deutschen auf der anderen Seite. Zwischen uns ist eine Kluft. Ich bin noch gar nicht richtig angekommen. Ich komme aus einem Land, in dem ich auch schon Flüchtling war. Hier bin ich wieder Flüchtling. Und ich kann Dinge noch nicht wahrnehmen, wie sie ein Deutscher wahrnimmt.«

Den Beitrag, der am Freitagabend in Resonanzen bei WDR 3 lief, hört Ihr hier.

Ich, mein Lager

Yarmuk, das palästinensische Füchtlingslager südlich von Damaskus, 2012. Die Regierungstruppen bombardieren das Lager, verhaften und töten Menschen. Ein junger Sanitäter birgt Verletzte und hilft Menschen. Er wird schwer verletzt.

Später schreibt er dieses Gedicht

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